Frei. Eröffnungsrede.

Von Nanouk Nu Rede, Vernissage, Wortliebe, Signale With 0 Kommentare
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Auszug: Eröffnungsrede zu "FREI." 

… Bei der Auswahl der Bilder für diese Ausstellung stand das Thema FREI im Vordergrund. Das gilt sowohl für die Sujets als auch für die Art der Darstellung. Die hier zusammengestellten Arbeiten zeigen vorwiegend Menschen in ihrer ganz eigenen Art. Voller Zartheit mit leichten Farben, voller Kraft mit intensiven Tönen, mal laut und mal leise im Ausdruck. So wie wir Menschen und das Leben eben sind. Die oft unberechenbare Psyche des Menschen übt auf Nanouk Nu eine große Faszination aus. Indem sie sich künstlerisch betätigt, versucht sie gleichsam metaphysische Fragen zu ergründen: Was verbirgt sich hinter der Fassade der vermeintlichen Realität? Kann ich meinen Gefühlen und meiner Wahrnehmung trauen? Gibt es so etwas wie Ehrlichkeit?

In der Zeit der Selfies geht es darum, möglichst schön und frisch zu wirken, möglichst vollkommen glücklich zu erscheinen. Zur Not helfen Face-Filter, die alle Unebenheiten glätten und den Widerspruch verschleiern zwischen dem, was man fühlt, und dem, was der Betrachter sehen kann bzw. sehen soll. 

In den Bildern von Nanouk Nu hingegen sind Widersprüche erwünscht. Sie sorgen für Spannung. Sie lassen zu, dass vermeintlich gegensätzliche Gefühle und Stimmungen parallel existieren.

Die Freiheit, alle Empfindungen zuzulassen, die tief in einem sind, kann beängstigend sein. Sie kann jedoch bei liebevollem Umgang mit sich selbst zu wahrem Frieden führen. Auch wenn diese radikale Herangehensweise für Nanouk Nu eine stete Herausforderung ist: Sie bleibt auf diesem Weg.

Denn gerade in Zeiten der zunehmenden Selbstdarstellung, die keine Brüche in der Persönlichkeit zulässt, ist es Nanouk Nu umso wichtiger, wirkliche Identität zu erforschen und abzubilden.  

Falten zum Beispiel sind in Ordnung. Gesichter, die nicht von morgens bis abends lächeln, sind in Ordnung. Krumme Nasen und schiefe Münder – es ist in Ordnung. 

Dasselbe gilt für die vielen verschiedenen Arten von Empfindungen: Traurigkeit, Sehnsucht, Verlangen, Verwunderung, Lust, Angst, Sorge, Leidenschaft, Verzückung. Es wäre doch sehr schade, wenn man sich nicht die gesamte Bandbreite erlauben und damit die eigene künstlerische Freiheit einschränken würde.

Nanouk Nu möchte Euch einladen, Euch erst einmal von den gelernten Formen der Rezeption frei zu machen. So, wie sie sich selbst (mal mehr, mal weniger) von ihren mitunter lautstarken inneren Kritikern frei gemacht hat. Schaut Euch die Bilder an und lasst Euch auf die Geschichten ein, die Euch erzählt werden. In Zeiten, in denen wieder Grenzen hochgezogen werden, ist das doch ein positives Signal: Ihr seid frei in der Betrachtung. Ihr seid frei, was auch immer dabei zu empfinden. Ihr seid sogar frei, ob Ihr dabei überhaupt etwas empfindet.

Nanouk Nus Bilder zeigen, was entsteht, wenn die Farbe fließen darf, wie sie fließen möchte, ohne dem Betrachtenden gefallen zu müssen. Oder anders

ausgedrückt: Wenn der Geist reisen darf, wie er reisen möchte, ohne dem Ego gefallen zu müssen …



// Die Rede wurde von Dr. Eva B. Müller gehalten.

 

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